Fahrerlose Transportsysteme einführen: Was vor dem ersten Roboter geklärt sein muss

Die Bilder des Beitrags sind mit KI generiert.

Anzeige Fahrerlose Transportsysteme (FTS) und autonome mobile Roboter (AMR) werden oft nach dem Datenblatt ausgewählt: Nutzlast, Geschwindigkeit, Laufzeit des Akkus. Ob ein Projekt im Betrieb funktioniert, entscheidet sich aber früher. Entscheidend ist, wie Materialfluss, Halle und Menschen zusammenpassen. Diese Frage beantwortet eine Analyse vor der Implementierung. Dieser Beitrag zeigt, was eine solche Analyse enthalten sollte und woran Sie eine belastbare Analyse erkennen.

Warum das Datenblatt nicht reicht

Ein Fahrerloses Transportsystem besteht nicht nur aus Fahrzeugen. Zum System gehören Routen, Ladestationen, Übergabepunkte, die Anbindung an ERP oder WMS und die Regeln für den gemeinsamen Verkehr mit Mitarbeitern und Staplern. Zwei Roboter mit identischen Kennwerten können in zwei Hallen völlig unterschiedlich arbeiten. Eine enge Kreuzung, ein Tor mit langer Öffnungszeit oder eine Schichtspitze am Wareneingang verändern die Leistung des gesamten Systems stärker als ein paar Kilogramm mehr Nutzlast.

Deshalb lohnt sich die Reihenfolge: zuerst der Prozess, dann das Konzept, erst danach der Robotertyp.

Schritt 1: Anforderungen erfassen, bevor jemand die Halle betritt

Beginnen Sie am Schreibtisch. Ein Fragebogen sollte festhalten, welche Güter transportiert werden, wie die bestehenden Logistikprozesse ablaufen und unter welchen Bedingungen im Lager oder in der Produktion gearbeitet wird.

Je genauer diese Angaben sind, desto kürzer wird der Rest der Analyse. Hilfreich sind unter anderem:

  • Art, Abmessungen und Gewicht der Ladungsträger, zum Beispiel Paletten oder KLT-Behälter,
  • Transportaufträge pro Stunde, getrennt nach normaler Last und Spitzen,
  • Schichtmodell und Zeiten, in denen besonders viele Menschen in den Gängen unterwegs sind,
  • vorhandene Systeme, an die das FTS später angebunden werden soll.

Schritt 2: Begehung vor Ort

Ein Fragebogen ersetzt nicht den Blick in die Halle. Bei der Begehung sollte der Experte die Besonderheiten der Lager- und Logistikprozesse kennenlernen. Vor Ort wird sichtbar, was auf dem Papier fehlt: Engstellen, Rampen, Tore, Bereiche mit wechselnder Belegung und Wege, die Mitarbeiter tatsächlich nutzen, nicht nur die offiziell markierten.

Schritt 3: Karte, Routen und Sicherheitsanalyse

Das Ergebnis der ersten beiden Schritte ist ein Systemkonzept. Es sollte mindestens beschreiben, welche Funktion das System übernimmt, wie die bestehenden Prozesse heute ablaufen und welche Umgebungs- und Prozessbedingungen für mobile Roboter gelten. Daraus folgt die Auswahl des Robotertyps.

Kernstück ist eine Karte für den Betrieb des Systems. Sie zeigt die vorgeschlagenen Routen, die Ladestationen, die Logistikpunkte und die Hindernisse. Parallel dazu gehört eine Sicherheitsanalyse des Systembetriebs in das Konzept, einschließlich der Frage, was im Notfall geschieht. Diese Frage sollte vor der Investition beantwortet sein, nicht erst bei der Abnahme.

Schritt 4: Simulation und Bewertung der Investition

Eine Simulation prüft das Konzept in einer virtuellen Umgebung, bevor Geld in Hardware fließt. So lässt sich prüfen, wie viele Fahrzeuge der geplante Durchsatz braucht und wo sich Fahrzeuge gegenseitig behindern.

Am Ende sollte ein Dokument stehen, das die Entscheidung trägt: die vorgeschlagene Lösung, Typ und Anzahl der Roboter, die Leistungsindikatoren des Systems, einen Zeitplan für die Implementierung und die Höhe der erforderlichen Investition. Legen Sie die Leistungsindikatoren fest, bevor das System startet. Ohne gemessenen Ausgangswert lässt sich der Nutzen später nicht belegen.

Woran Sie eine belastbare Analyse erkennen

Eine belastbare Analyse beantwortet vier Fragen konkret: wie viele Fahrzeuge welchen Typs, welche Routen und Ladepunkte, welche Kennzahlen und welches Sicherheitskonzept. Sie nennt außerdem, was an der Infrastruktur vorbereitet werden muss, bevor die Roboter kommen. Eine Analyse, die nur ein Fahrzeug mit Datenblatt und Preis vorschlägt, ist ein Angebot, keine Analyse.

Ein weiterer Punkt betrifft die Unabhängigkeit der Entscheidung. Die Analyse sollte Sie nicht zum Kauf des Systems verpflichten. Nur dann können Sie das Ergebnis auch für die Entscheidung gegen ein FTS nutzen, falls der Prozess dafür nicht reif ist.

Aus der Praxis: ein automatisiertes Zentrallager

Wie ein solches Vorgehen im eigenen Betrieb aussieht, zeigt das System SALMA. Etisoft Smart Solutions hat es entwickelt und im Zentrallager von Etisoft implementiert und getestet. SALMA automatisiert die Einlagerung, Lagerung, Sortierung und Kommissionierung. Das System kombiniert mobile AGV-, AMR- und ACR-Roboter mit einem automatischen Depalettierer. Die Software IntraFleet 4.0 verwaltet die Roboterflotte, und die WES-Software etiSALMA verbindet das Lagerautomatisierungssystem mit dem ERP-System. Für SALMA erhielt Etisoft Smart Solutions eine Auszeichnung im Wettbewerb „Innovatives Produkt für Logistik, Transport und Produktion 2024“.

Etisoft bietet die Analyse vor der Implementierung als eigene Dienstleistung an. Sie umfasst einen Fragebogen, einen Besuch vor Ort, eine Dokumentation mit Karte und Sicherheitsanalyse sowie ein Abschlussdokument mit Lösungsvorschlag, Typ und Anzahl der Roboter, Leistungsindikatoren, Zeitplan und Angebot. Die Analyse verpflichtet nicht zum Kauf des Systems. Im Rahmen eines individuellen Angebots führt Etisoft zudem eine Implementierungssimulation durch. Wer die Roboter vorher im Einsatz sehen möchte: Etisoft lädt zu einem Besuch ein, bei dem verschiedene Robotertypen (IntraBot Picker, IntraBot Lift, IntraBot Fork 2.0) bei der Arbeit in einem Produktionsprozess zu sehen sind.

Fazit

Fahrerlose Transportsysteme scheitern selten am Fahrzeug. Sie scheitern an Annahmen, die niemand geprüft hat: an einer Kreuzung, einer Schichtspitze oder einer fehlenden Regel für den Notfall. Eine Analyse vor der Implementierung macht diese Annahmen sichtbar, solange sie noch nichts kosten.

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